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Wie ich meinen Weg gegangen bin: von der Werbeerfinderin zum selbstständigen Coach und Trainerin

Wie ich meinen Weg gegangen bin: von der Werbeerfinderin zum selbstständigen Coach und Trainerin

Von Katharina Anna Klumpp

Angefangen hat es mit dem Kindheitstraum, Werbeerfinderin zu werden. Heute unterstütze ich Führungskräfte, ihr Team wertschätzend zu führen und als Führungspersönlichkeit die Arbeitswelt von morgen proaktiv zu gestalten.

Bis dahin war es ein langer Weg, der nicht immer leicht war.

Die Ausbildung als Grundlage

Aus meinem Kindheitstraum ist nichts geworden. Doch es sollte zunächst in eine ähnlich kreative Richtung gehen. So habe ich Modedesign an der Fachhochschule in Bielefeld studiert.

Ich hatte das große Glück, die volle Unterstützung meiner Eltern zu erfahren. Sie waren es auch, die mir den Zugang zu einem Mentor verschafften, der mich als Kind und Jugendliche in meinen kreativen Fähigkeiten förderte. Mit seiner Unterstützung gelang es mir, die Aufnahmeprüfung zum Studium zu bestehen und einen der wenigen Studienplätze zu ergattern.

Nach wenigen Semestern stellte ich fest, dass es mir in dem sehr künstlerisch ausgelegten Studium an Praxisbezug fehlte. So sehr ich die Kreativität schätzte, so sehr fragte ich mich, wie ich von der Kreativität leben sollte.

Ich entschied mich kurzentschlossen für die Aufnahme eines Zweitstudiums. An der Fernuniversität in Hagen studierte ich zusätzlich zu meinem Modedesign-Studium Wirtschaftswissenschaften. Von den abwertenden Kommentaren meiner KommilitonInnen, dass ich die Mode verraten würde, habe ich mich nicht abbringen lassen. Zu groß war das Selbstbewusstsein, dass ich meinen Weg gehen werde – und nicht den Weg der anderen.

Ich schloss beide Studiengänge nacheinander ab. Das Modedesign-Studium mit Bravour, das Studium der Wirtschaftswissenschaften mit etwas weniger. Das viele Auswendiglernen und das Abrufen per Knopfdruck waren nicht von sehr viel Erfolg geprägt. Doch für den Bachelor sollte es allemal reichen.

Überforderung im ersten Job

Die Kombination meiner beiden Studiengänge sollte sich schnell bezahlt machen. Nach nur wenigen Bewerbungen hatte ich zwei gut bezahlte Jobzusagen, zwischen denen ich mich entscheiden durfte.

Es sollte die Position der Assistenz der Geschäftsführung mit Führungsverantwortung werden. Nach wenigen Wochen stellte ich fest, wie überfordernd diese Doppelrolle war: Eng mit der Geschäftsführung zusammenzuarbeiten und gleichzeitig ein Team von acht Mitarbeitenden zu führen, die deutlich erfahrener waren als ich es mit meinen 27 Jahren sein konnte. Und das ohne jegliche Idee, wie Führung überhaupt geht. Die zusätzlich hohe Belastung durch das ständige Reisen brachte mich an meine Grenzen.

Nach knapp zwei Jahren traf ich die Entscheidung, den Job zu kündigen – ohne einen neuen zu haben. Zum einen war es in meiner verantwortungsvollen Rolle kaum möglich, Bewerbungen zu schreiben und Vorstellungsgespräche wahrzunehmen, und zum anderen war ich überzeugt davon, mit meiner Ausbildung und nun auch zweijähriger Berufserfahrung leicht einen neuen Job zu finden.

Ich sollte mich irren.

Der mühsame Weg zu einer erfüllenden Anstellung

Ich schrieb eine Bewerbung nach der anderen, um eine Absage nach der anderen zu erhalten. Die Push-Benachrichtigung auf meinem Handy, dass ich eine neue Mail erhalten hatte, schnürte mir die Luft ab. Eine erneute Absage war schwer zu verkraften. Ich konnte mir einfach nicht erklären, weshalb ich noch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Mein Selbstvertrauen sank mehr und mehr.

Nach einigen Monaten erhielt ich endlich die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch von Zalando in Berlin. Zu dem Zeitpunkt war Zalando alles andere als mein Traumarbeitgeber, denn die Presse stellte das Start-up nicht gerade als arbeitnehmerfreundlich dar. Da ich allerdings keine Auswahl hatte, nahm ich die Einladung wahr. Und auch das anschließende Jobangebot. Also ging es von Münster nach Berlin. Von einem Tag auf den anderen.

Das war der Start von sechs wundervollen Jahren bei Zalando. Ich arbeitete in tollen Teams und meine Führungskräfte unterstützten mich in meiner Entwicklung. Schnell übernahm ich mehr und mehr (Führungs-)Verantwortung. Unter anderem erhielt ich die Möglichkeit, Trainings für meine KollegInnen zu entwickeln und zu geben. Dies weckte meine Begeisterung, Wissen zu vermitteln und Potenziale anderer zu entfalten. Nebenberuflich absolvierte ich eine selbst finanzierte neunmonatige Trainerausbildung und später eine einjährige Coachingausbildung. Durch die hier erlernten Fähigkeiten konnte ich eine Nische bei Zalando besetzen und ging dort erfolgreich meinen Weg als Führungskraft.

Unbedarft in die Selbständigkeit

Nach sechs Jahren bei Zalando spürte ich, dass die Reise für mich weitergehen durfte. Immer mehr kristallisierte sich heraus, dass ich das, was ich so sehr an meiner Tätigkeit als Führungskraft liebte, zu 100 % machen möchte: Menschen in ihrer Persönlichkeit stärken und ihre Potenziale entfalten.

Ohne zu wissen, wie eine mögliche Selbständigkeit aussehen kann, und vor allem ohne zu wissen, wie ich damit Geld verdienen kann, kündigte ich den Job bei Zalando. Vorbilder aus dem Freundes- und Familienkreis hatte ich nicht. Ich kannte zu der damaligen Zeit niemanden, der selbstständig arbeitete. Doch das Vertrauen in mich und die finanziellen Rücklagen waren groß genug, um den Sprung zu wagen.

Und dann kam die Covid-Pandemie und die (Arbeits-)Welt stand kopf. Der erste April 2020 war mein erster Tag als selbstständige Coach und Trainerin. Es hätte ungünstiger nicht laufen können. Die Unternehmen machten ihre Budgettöpfe zu und mögliche Zusammenarbeiten waren schnell für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.

Doch ich ließ mich nicht verunsichern und schon gar nicht unterkriegen, auch wenn die nachfolgenden zwei Jahre alles andere als ein gemütlicher Spaziergang waren: Die eigene Positionierung im Markt bei einer starken Konkurrenz zu finden, sich mit der ganzen Persönlichkeit auf Social Media zu zeigen und nicht zu vergessen: sich erfolgreich zu verkaufen. Diese Herausforderungen hatte ich völlig unterschätzt.

Heute, nach mehr als zwei Jahren Selbständigkeit, kann ich stolz sagen, dass es genau der richtige Weg war, den ich gegangen bin, auch wenn es immer wieder Momente des Zweifels gab.

Gewonnene Erkenntnisse

Was ich in den letzten 20 Jahren über die Gestaltung des eigenen Berufsweges gelernt habe? Eine Menge! Hier teile ich meine Tipps, von denen ich mir gewünscht hätte, dass ich ihnen von Anfang gefolgt wäre.

  • Ein starkes Netzwerk aufbauen

Nicht nur für selbstständige UnternehmerInnen ist Netzwerken ein wertvolles Tool, wenn nicht sogar das Wichtigste. Ein unternehmensinternes Netzwerk hilft, von und miteinander zu lernen und sich dadurch fachlich wie auch persönlich weiterzuentwickeln. Externe Kontakte setzen inspirierende Impulse und schaffen neue berufliche Möglichkeiten.

Neben Netzwerken innerhalb der Branche ist das Engagement in branchenunabhängigen Netzwerken bzw. Austauschgruppen wie z. B. herCareer, Working out loud und BNI für UnternehmerInnen empfehlenswert. Außerdem können über Messen, Events und Workshops weitere wertvolle Kontakte geknüpft werden. Plattformen wie Eventbrite und meetup listen interessante Online- wie auch Live-Events auf.

Netzwerken ist kein Tool, das kurzfristig Erfolge erzielt. Vielmehr ist Netzwerkarbeit zeitintensiv und braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Deswegen ist es ratsam, nicht erst zu netzwerken, wenn der nächste Karriereschritt oder ein Jobwechsel ansteht, sondern vielmehr gilt es, Netzwerken als eine langfristige Investition zu verstehen.

  • Von einem Mentoring profitieren

Besonders wertvoll in meiner beruflichen Laufbahn waren all die Mentoren und Coaches, die mich in meiner Entwicklung unterstützt haben. Sie haben mir neue Perspektiven aufgezeigt, meine Potenziale entfaltet und mich ermutigt, meinen Weg zu gehen.

MentorInnen können als Förderer oder Wegbegleiter verstanden werden, die ihren Erfahrungsschatz teilen und ihren Mentee wertschätzend begleiten.

Einige Unternehmen bieten ein internes Mentoren-Programm an. Wenn dies der Fall ist, ist es unbedingt ratsam, sich als Mentee zu bewerben und von der Perspektive eines erfahrenen Kollegen zu profitieren.

Für externe Mentorings gibt es kostenlose Angebote, wie zum Beispiel von The Mentoring Club. Das großartige Netzwerk MentorMe bietet außerdem Mentoring für Frauen an.

  • Das persönliche Warum kennen

Den eigenen Weg zu gehen, ist gar nicht einfach, wenn es unzählige Möglichkeiten gibt und auch nahestehende Menschen in unserem Umfeld häufig eine genaue Idee davon haben, wie unser Weg aussieht.

Deswegen ist es hilfreich, der Frage nachzugehen, was für einen persönlich im Leben wichtig ist – privat wie auch beruflich. Das Buch „The Big Five For Life“ von John Strelecky regt genau dazu an und ist absolut empfehlenswert, um dem eigenen Warum im Leben näherzukommen und Wege zu finden, genau dieses Warum zu leben. Denn erst, wenn wir eine Vorstellung haben von dem, was wir wollen, sehen wir Chancen und Möglichkeiten, genau diesen Weg zu gehen. Auf diese Weise werden wir zu aktiv Gestaltenden unseres eigenen (Berufs-)Lebens und übernehmen Verantwortung für uns und unsere Entwicklung.

  • Das eigene Selbstvertrauen stärken

Wer den eigenen Weg gehen möchte, braucht Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten. Vor allem auf Durststrecken, wenn es nicht läuft wie gewünscht.

Um das Selbstvertrauen zu stärken, hilft es, täglich die eigenen Erfolge zu notieren. Das können große wie auch kleine Erfolge sein, berufliche wie auch private. Auf diese Weise wird unser Gehirn trainiert, unsere Erfolge bewusst wahrzunehmen. Denn viel zu häufig gehen unsere Erfolge unter, weil der Fokus auf den Misserfolgen liegt und diese tendenziell stärker gewichtet werden als unsere Erfolge.

Das Buch und das dazugehörige Assessment von „The Strengthsfinder“ ist zudem ein hilfreiches Tool, um sich der eigenen Stärken bewusst zu sein und diese gezielt einzusetzen. Durch den Test werden die fünf Topstärken ermitteln und Ideen mit an die Hand gegeben, wie genau diese Stärken eingesetzt werden können.

  • Mutig neue Wege einschlagen

Mut tut gut. Rückblickend kann ich sagen, dass die mutigsten Entscheidungen die allerbesten waren: den Job zu kündigen, ohne einen neuen zu haben, und in die Selbständigkeit zu starten, ohne zu wissen, wie ich damit Geld verdienen kann.

Erst außerhalb unserer Komfortzone können wir wachsen und die unzähligen Möglichkeiten, die uns das Leben bietet, entdecken. Auch wenn es Überwindung kostet, den gewohnten Weg hinter sich zu lassen und nicht zu wissen, was auf einen zukommt, ist es absolut lohnenswert.

Sich zu verdeutlichen, was im schlimmsten Falle passieren kann, hilft, die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Denn in der Regel fallen wir weich. Und selbst wenn der Aufprall etwas härter ist, können wir aus den Erfahrungen lernen. Ganz nach Henry Ford: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

Du möchtest mehr zu mir erfahren oder dich mit mir austauschen? Dann freue ich mich über deinen Besuch auf meiner Website oder auf meinem LinkedIn-Profil. Hier teile ich regelmäßig Erfahrungen, Learnings und Hacks aus meiner Zeit als Führungskraft und meiner Arbeit als Leadership Coach und Trainerin.