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Was lange währt, wird endlich gut! Der Werdegang bis zum Kindheitstraum.

Mein Name ist Alexandra und bin 45 Jahre alt.

Mit 11 Jahren kam ich mit meinen Eltern von Griechenland nach Deutschland und besuchte hier die griechische Schule bis zur 9. Klasse. In Griechenland war ich immer sehr gut in der Schule, doch durch den Wechsel nach Deutschland, fiel mir der Unterricht sehr schwer. Ich saß im Unterricht und verstand teilweise nichts mehr und keiner schaute nach mir. Zusätzlich die Belastung, die Heimat verlassen zu haben, Opa und Oma sowie die ganzen Freunde zurückgelassen zu haben.

Trotz allem absolvierte ich im Anschluss meinen Realschulabschluss auf einer deutschen Schule.

Bist du den Weg gegangen im Leben, den du gehen wolltest oder was man dir geraten hatte?

Mein Wunsch war es nach Griechenland zurückzukehren, doch meine Eltern rieten mir meine Ausbildung hier zu machen, denn dadurch könnte ich in Griechenland mehr verdienen. Von meinem Vater kam der Vorschlag, mich für einen Ausbildungsplatz in seiner Firma zu bewerben.

Dort gab es nur die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau oder Fachwirtin für Lagerlogistik zu machen. Da meine Deutschkenntnisse nicht so gut waren, empfiehl man mir in die Lagerwirtschaft zu gehen und so begann ich meine Ausbildung als Fachwirtin für Lagerwirtschaft.

Die Zeit war sehr schlimm für mich, denn dieser Bereich interessierte mich überhaupt nicht. Dementsprechend lief es auch in der Schule. Mir fehlte die Motivation, der Ehrgeiz, da ich eigentlich immer etwas mit Kindern machen wollte und wo landete ich? Im Lager.

Trotzdem zog ich die Ausbildung durch, bis zum Ende. Ich erinnere mich noch genau an meinen letzten Arbeitstag in dieser Firma, als ich das Gelände verließ und mich noch ein Mal umdrehte und dachte: „Ich bin endlich hier raus!“ Ich hatte mich richtig frei gefühlt in diesem Moment.

Nach dieser Zeit bediente ich ca. 2 Jahre in einer griechischen Cafeteria und griechischen Disco, bis meine Eltern auf mich zukamen und sagten, dass ich diese Arbeit nicht ewig machen könnte.

Durch eine Nachbarin, die bei Roche arbeitete, kam mir der Gedanke mich dort zu bewerben und so kam ich in die Produktion.

Leider wurde es nach einer Weile für mich wie in meiner Ausbildung, ich fühlte mich nicht wohl, ging nicht mehr gerne zur Arbeit und bekam jeden Morgen Magenschmerzen bei dem Gedanken wieder dort hingehen zu müssen. Es war der eigene Druck, den ich mir machte: Ich muss das jetzt machen, die Ängste nichts anderes zu finden, aus mir soll was werden ….

Zugegebenermaßen war ich immer ein sehr ruhiger, zurückhaltender Mensch, wenig aktiv und recherchierte nicht, was es noch für Möglichkeiten geben könnte. Ich fragte bei der IHK, ob es über die Abendschule die Möglichkeit gäbe Heimerzieherin zu erlernen, doch sie verneinten es.

Ein Kollege aus meiner Abteilung erzählte mir, dass er über die IHK seinen technischen Fachwirt an der Abendschule machte und dies eine großartige Sache sei, denn er möchte nicht immer in der Produktion bleiben und auch mehr verdienen in Zukunft.

Ich besprach das mit meinen Eltern und sie waren sofort davon begeistert und sahen es als große Chance für mich. Sie drängten mich regelrecht dazu es zu machen, also schlug ich den Weg ein und begann über die IHK mit der technischen Fachwirtin.

Im ersten Jahr kamen die kaufmännischen Fächer dran, doch das lag mir nicht und meine Noten waren nicht gut. Im 2. Jahr kamen die technischen Fächer dran und ich war nur noch am auswendig lernen. Doch verstanden hatte ich es kaum. Ich kam in die mündliche Prüfung und hatte so Angst, war nervös und schüchtern. Die Prüfer, die mich anstarrten, besonders einer, der wirklich böse mit mir sprach, es war alles zu viel und ich bestand die Prüfung leider nicht. Mein Gedanke war in dem Moment, alles hinzuschmeißen, ich wollte nicht mehr weiter machen. Ich ging zu meiner zuständigen Betreuerin bei der IHK und weinte so bitterlich, dass kaum ein richtiges Wort aus mir herauskam. Es war mir unangenehm, doch ich konnte nicht aufhören zu weinen. Sie beruhigte mich und überzeugte mich davon, weiterzumachen. Sie bot mir an, mich zu unterstützen und mit in die nächste Prüfung zu gehen. Dank ihr, habe ich es durchgezogen und mit Diplom beendet.

Ein paar Monate später heiratete ich meinen Mann und natürlich wollten wir Kinder. Mein Ziel war es aber, erstmal weiter arbeiten zu gehen, um eine Stelle intern im Büro zu bekommen. Zu dieser Zeit schlossen einige Abteilungen bei uns und die Mitarbeiter wurden auf andere Abteilungen aufgeteilt und hatten dadurch Vorrang bei den ausgeschriebenen Stellen. Dadurch entschloss ich mich, es doch früher zu versuchen mit dem Kind kriegen und so kam das erste, das zweite und auch das dritte Kind auf die Welt. Es war uns immer klar, dass ich zu Hause bleibe, wenn wir Kinder bekommen und durch die Selbständigkeit meines Mannes, war dies auch möglich.

Ich blieb 18 Jahre daheim und sorgte mich um die Kinder und alles andere was anfiel. Durch einen Newsletter der Stadtbibliothek wurde ich auf eine ehrenamtliche Stelle aufmerksam in einer Förderschule. Dort sollte man ein paar Stunden den Kindern beim Lesen zuhören. Da kam mir der Gedanke, dass bei uns viele Flüchtlinge auf der Grundschule waren durch den Krieg und die auch Unterstützung bräuchten, um die Sprache zu lernen. Ich kannte durch meine Kinder sehr viele auf dieser Schule und beschloss mich dort dafür anzumelden. Ich ging immer donnerstags und freitags für 2-3 Stunden hin, holte mir die Kinder aus den Klassen, um spielerisch die Sprache mit ihnen zu lernen. Sie hatten sich immer so gefreut mich zu sehen und das gab mir ein großartiges Gefühl.

Irgendwann las ich, dass sie in Ketsch in einem Obdachlosenheim jemanden ehrenamtlich für die Essensausgabe suchten. Eigentlich hatte ich es eher mit Kindern, doch es interessierte mich, wie es bei manchen Menschen so weit kommen konnte, in ihrem Leben, also fing ich dort an zu helfen. Es war eine interessante, schöne, aber auch traurige Zeit dort zu arbeiten. Die Menschen und deren Geschichten zu hören, sie zu erleben, ihre Freude zu sehen, wenn man sich für sie interessiert und mit ihnen redete.

Was war der Auslöser für dich, nach der langen Zeit zu Hause wieder arbeiten gehen zu wollen?

Die Kinder wurden größer und ich wollte das sie selbständiger werden, denn die 2 Jahre Corona waren teils so schlimm, dass nichts mehr funktionierte mit den Kindern, der Schule, daheim und vieles mehr. Es wurde immer selbstverständlicher, dass ich alles machte.

Doch wenn ich wieder arbeiten gehen würde, müssten sie anfangen, mich mit der Arbeit zu Hause zu unterstützen und einiges selbst hinzubekommen.

Die ganzen Jahre hatte ich immer nur alles für die Kinder/Familie getan, es musste alles funktionieren, da ich zu Hause war, wenn etwas nicht funktionierte, dachte ich, ich hätte versagt. Ich war nur noch Hausfrau und Mutter und mir fiel nicht auf, wie sehr ich mich und meine Bedürfnisse vernachlässigt hatte und das wollte ich ändern.

Wie kamst du auf uns und was gab dir den Impuls dich bei uns zu melden?

Ich kannte Frau Petra Sessler-Schwaab schon und wurde durch ihre Facebookseite auf Querwerk aufmerksam.

Anfangs dachte ich, dass Konzept von euch falsch verstanden zu haben, denn wer würde denn jemanden dabei unterstützen in einen Job zu wechseln, der mit dem, was du gelernt hast, nichts zu tun hat, nur weil man sich das wünscht. Was steckt da dahinter? Ist es nur Geldmacherei?

Da ich Petra kannte, konnte ich mir das nicht vorstellen und fasste den Entschluss, mich bei euch zu melden und nachzufragen. Im Telefonat mit Frau Boutej wurde ich über die Vorgehensweise des Unternehmens und die Kosten, die auf mich zukämen, aufgeklärt und man vereinbarte mit mir einen Termin. Die Kosten waren überschaubar und blieben bis zum Ende wie ausgemacht und wurden auch nicht plötzlich mehr.

Zuerst erhielt ich eine E-Mail mit Unterlagen über den Talentkompass, die ich ausfüllen sollte. Es ging um die Stärken, Schwächen, Einschätzungen, was mache ich gut, was mache ich eher schlecht und vieles mehr. Am Ende hatte sich alles verbunden und es kam dabei heraus, welche Richtung die Richtige für mich wäre. Es war sehr interessant, dass auszufüllen und am Ende zu lesen, was man über sich selbst geschrieben hatte.

Bei unserem ersten Termin sprachen wir über alles, was ich notierte in den Unterlagen und führten im Anschluss weitere Telefonate, in denen mir Frau Boutej die Aufgabe gab zu recherchieren, ob ich überhaupt in diese Richtung gehen könnte mit meiner Ausbildung. Mir schwebte der Bereich mit Waisenkindern zu arbeiten oder eine Stelle im Jugendgefängnis, Drogenberatung für Jugendliche oder Menschen mit psychischen Problemen vor. Da käme ich auch rein, aber leider nur ins Büro oder in die Verwaltung, doch da wollte ich nicht hin. Frau Boutej hatte mich immer unterstützt und weitere Tipps gegeben, was ich machen sollte.

Wir trafen uns und sprachen darüber, was ich alles herausgefunden hatte und wir erstellten gemeinsam einen Lebenslauf. Nach so vielen Jahren, wusste ich überhaupt nicht, worauf man da achten müsste. Sie schaute sich all meine Unterlagen (Zertifikate, Diplome, Zeugnisse) an und sortierte unwichtiges aus. Das hätte ich allein nie hinbekommen.

Da der Bereich, in den ich wollte, eher Fachpersonal benötigt wegen des psychischen Bereiches und keine Quereinsteiger, kam Frau Boutej die Idee mit der Schulbegleiterin und so kam ich wieder zu Petra Sessler-Schwaab. In unserem Telefonat machte sie sich ihre Notizen und hatte mich sofort bei mehreren Trägern mit meinen Unterlagen beworben und mit ihnen auch die Gespräche geführt.

Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben, doch ca. 8 Wochen später, meldete sich ein Träger bei mir mit einem Kind in Heidelberg, aber das war mir für 4 Stunden zu weit weg. Ein Tag später ergab sich beim selben Träger eine Stelle für ein Kind in Oftersheim und wurde zu einem Gespräch eingeladen. Ich war so nervös, wie sollte ich mich hierfür denn vorbereiten, was sollte ich sagen, wie sollte ich mich verhalten, es war so viele Jahre her seitdem letzten Vorstellungsgespräch.

Am Ende bereitete ich mich nicht vor, ich beantwortete die Fragen aus dem Herzen heraus und wurde zu einem Gespräch zu der Familie des Kindes eingeladen, um festzustellen, ob es von beiden Seiten her passen würde. Es passte sofort, ich bekam diese Stelle und war so froh darüber. Die ersten Monate sind nun vorüber, mir geht es super, ich fühle mich sehr wohl und freue mich jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Ich bin euch der Firma Querwerk von Herzen dankbar, dass ihr mit mir diesen Weg gegangen seid und mich bei allem unterstützt habt. Es war die beste Entscheidung, mich bei euch zu melden.